Ausbildung ist Beziehungsarbeit. Gedanken zum Interview in dental labor

Ausbildung ist Beziehungsarbeit. Gedanken zum Interview in dental labor

Ausbildung ist Beziehungsarbeit
Interview zum Round Table für Ausbildende in der Zeitung dental labor im Mai 2026

Vor wenigen Tagen erschien in der Fachzeitschrift dental labor ein Interview mit mir unter dem Titel „Ausbildung ist Beziehungsarbeit“. Anlass war die Zahntechnik plus 2026 im März in Leipzig, auf der ich gemeinsam mit Bettina Frohs einen Round Table zum Thema moderne Ausbildung moderieren durfte.

Die Fragen im Interview kreisten um die Zukunft der Ausbildung, die Generation Z und die Herausforderungen, vor denen Dentallabore heute stehen. Während dieses Gesprächs wurde mir erneut bewusst, wie sehr sich die Diskussion über Ausbildung verändert hat.

Lange Zeit wurde Ausbildung vor allem als Antwort auf den Fachkräftemangel verstanden. Die Frage lautete: Wie gewinnen wir genügend Nachwuchs? Heute müsste die entscheidendere Frage jedoch lauten: Wie schaffen wir es, junge Menschen langfristig für unseren Beruf zu begeistern?

Denn Fachwissen allein reicht dafür nicht aus!

In meiner Arbeit als ehemaliger Berufsschullehrer, Zahntechniker und Coach begegne ich immer wieder einer Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch viele Gespräche zieht: Junge Menschen suchen nicht nur einen Ausbildungsplatz. Sie suchen Orientierung, Entwicklungsmöglichkeiten und Menschen, denen sie vertrauen können.

Gerade die viel diskutierte Generation Z wird dabei häufig missverstanden. Oft wird über sie gesprochen, anstatt mit ihr. Dabei erleben viele Betriebe tagtäglich motivierte junge Menschen, die Verantwortung übernehmen möchten, Sinn in ihrer Arbeit suchen und bereit sind, sich einzubringen. Was sie dafür benötigen, ist keine perfekte Umgebung, sondern ein Umfeld, in dem Kommunikation, Wertschätzung und Klarheit gelebt werden.

Deshalb habe ich im Interview einen Gedanken besonders betont: Ausbildung findet nicht nur über Inhalte statt. Sie findet in Beziehungen statt.

Im Labor zeigt sich das jeden Tag. Anders als in der Schule entstehen Lernen und Entwicklung unmittelbar im Arbeitsalltag. Ausbilderinnen und Ausbilder vermitteln nicht nur fachliche Kompetenzen. Sie prägen durch ihr Verhalten, ihre Haltung und ihre Kommunikation auch das Menschenbild der nächsten Generation von Fachkräften.

Genau darin liegt eine große Chance. Ausbildung kann weit mehr sein als die Sicherung des eigenen Personalbedarfs. Sie kann Kulturentwicklung sein. Sie kann junge Menschen stärken, Selbstvertrauen fördern und Perspektiven eröffnen.

Deshalb wünsche ich mir mehr Mut zum Ausbilden. Nicht Perfektion, sondern Bereitschaft. Die Bereitschaft zuzuhören, Entwicklung zu begleiten und sich auf die Perspektiven einer neuen Generation einzulassen.

Wer heute ausbildet, investiert nicht nur in zukünftige Fachkräfte. Er investiert in Menschen. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus dem Interview.

Ausbildung ist Beziehungsarbeit.

Wer das versteht, gestaltet nicht nur die Zukunft seines Betriebs, sondern auch die Zukunft unseres Berufsstandes.

Die Ausgabe 05/2026 des Dental Labor mit vollständigem Interview kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Diesen Beitrag teilen: